Ein Vierteljahrhundert auf der Piste

  1. Februar 2019 | 17:24 Uhr Steven Wiesner

 

Die Hände zum Himmel: Schüler des Paul-Gerhardt-Gymnasiums Lübben vergnügen sich im Riesengebirge. FOTO: privat

Lübben. 25 Jahre lang hat Detlef Brose das Skilager des Paul-Gerhardt-Gymnasiums organisiert  und mehr als 2000 Schüler mit ins Riesengebirge genommen. Nun macht er Schluss.

 Eigentlich hätte Detlef Brose schon im zurückliegenden Sommer in den Vorruhestand gehen können. „Ich wollte aber unbedingt die 25 vollmachen“, sagt er und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Die „25“, damit meint der 64-Jährige das Skilager des Paul-Gerhardt-Gymnasiums, das der Sport- und Geschichtslehrer nun seit einem Vierteljahrhundert organisiert hat. Vergangene Woche fand die Jubiläumsreise statt.

Eine stolze Zahl, die auch die Schule mit Stolz erfüllt, schließlich sind derlei Angebote in Bildungseinrichtungen eher Ausnahme denn Regel – und immer abhängig von handelnden Personen. „Wir freuen uns, dass wir unseren Schülern solche Mehrtagesfahrten anbieten können“, sagt der scheidende Schulleiter Uli Haase (RUNDSCHAU berichtete). „Das Skilager ist eine schöne Ergänzung zum Sportunterricht, manche Schüler kamen dadurch zum ersten Mal in Kontakt mit dem Wintersport. Es hätte nie funktioniert ohne jemanden, der die Erfahrung mitbringt.“

 

Lehrer Detlef Brose FOTO: LR / Steven Wiesner

Detlef Brose aber brachte Erfahrung mit. Als Junior bekam er das Skifahren beigebracht von Christa und Erich Schulze, die in Lübben die Tür aufgemacht haben für den Alpin-Sport und gewissermaßen auch den Weg ebneten für den heutigen Sportverein TV Lübben Ski. Brose fand schnell Gefallen daran, auf Skiern die Schneepiste runterzujagen, fuhr teilweise auch Rennen und Meisterschaften. Und weil er als Schüler des Paul-Gerhardt-Gymnasiums selbst in den Genuss kommen durfte, ins Skilager zu fahren, „wollte ich die Tradition als Lehrer wieder aufleben lassen“.

1991 kam Detlef Brose als Lehrkraft zurück an seine alte Wirkungsstätte, ein paar Jahre später organisierte er das erste Skilager. Zunächst war die Bildungsreise für die 10. Klassen gedacht, später fuhr er nur noch mit den Jahrgängen der 9. Klasse. 70 bis 100 Schüler nahm er jährlich mit über die tschechische Landesgrenze nach Rokytnice oder Paseky ins Riesengebirge. In Summe hat Brose in den vergangenen 25 Jahren also mehr als 2000 Schülern die Klassenfahrt auf Skiern ermöglicht. Und die danken es ihm teilweise noch heute. „Schüler, die ich Jahre später auf der Straße wiedergetroffen habe, schwärmten immer noch davon, dass es die schönste Klassenfahrt war, die sie erlebt haben“, erzählt Brose. „Manche sind mittlerweile erwachsen und fahren mit ihren Familien immer noch in dasselbe Skigebiet.“

Doch für ihn bedeutete das Skilager nicht nur Spaß, sondern auch Verantwortung und Stress. Ein Jahr vorher gingen die Vorbereitungen los, Elternversammlungen, Dokumentenabgleich mit der tschechischen Polizei, für finanziell schwächere Elternhäuser mussten Sozialfonds organisiert werden. Viel Aufwand, der auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. „Ich konnte mich aber immer verlassen auf meine Kollegen, die Skilehrer vor Ort und auch auf unser tolles Reisebüro“, sagt Brose. „In 25 Jahren hat man auch mal einen Hand- oder Fußbruch dabei. Ansonsten war es aber immer eine runde Sache.“

Für Detlef Brose soll es trotzdem das letzte Skilager gewesen sein. „Ein bisschen Wehmut war schon dabei, als ich nun nach Hause kam“, sagt er. Mit Holger Marschner ist aber schon ein Nachfolger gefunden, der sich um das Winterabenteuer kümmert. Detlef Brose kann im Sommer also beruhigt seinen Vorruhestand antreten – und die Schüler des Paul-Gerhardt-Gymnasiums können auch weiterhin durch das Riesengebirge carven.

 

 

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