25. Januar 2019 | 21:36 Uhr Andreas Staindl

Ein „Muster an Beständigkeit“ geht

 

Die Englischlehrerin Uta Brauer (vorn 3.v.l.) erläutert Ulrich Haase (vorn r.) das Geschenk, das sie sowie die Lehrerin Sabine Meißner und die Schülersprecherin Hanna Sklomeit (vorn v.li.) dem Schulleiter überreichen. Zahlreiche Gäste waren während des Abschieds in der Aula des Paul-Gerhardt-Gymnasiums dabei. FOTO: Andreas Staindl

 Lübben. Uli Haase, der Schulleiter des Lübbener Paul-Gerhardt-Gymnasiums, ist mit großem Bahnhof in den Ruhestand verabschiedet worden.

Das ist kaum zu toppen: 29 Jahre lang ist Ulrich Haase Schulleiter des Paul-Gerhardt-Gymnasiums in Lübben gewesen. Für Schulrätin Yvonne Böhm gilt er als „ein Muster der Beständigkeit“. Jetzt geht er in den Ruhestand. Ab dem 1. Februar hat Ulrich Haase mehr Zeit für Familie, Freunde und sich selbst.

Am Donnerstagabend wurde er feierlich verabschiedet. Die Aula im Gymnasium war rappelvoll, die Liste der Redner prominent besetzt. Sie alle würdigten den Schulleiter, der Generationen junger Leute, aber auch zahlreiche Bauvorhaben und bildungspolitische Veränderungen begleitet hat. „Er hat Tausenden Schülern Werte vermittelt, Dinge angestoßen, immer um die besten Rahmenbedingungen für Schüler und Lehrer gekämpft“, sagt Yvonne Böhm. „Wir werden ihn und seine streitbare Art vermissen.“ Sie machte Haase augenzwinkernd ein Angebot: „Du kennst den Lehrernotstand in Brandenburg. Wenn Du willst, findest Du immer Unterschlupf in einer Schule.“

Lars Kolan (SPD) würde ihn gern für die neue Stadtverordnetenversammlung gewinnen wollen, die im Mai dieses Jahrs gewählt wird. „Dort werden Sitze frei.“ Lübbens Bürgermeister – Absolvent des Gymnasiums in der Kreisstadt – kennt Ulrich Haase noch als seinen Informatiklehrer und sagt: „Wenn uns vor 30 Jahren jemand gesagt hätte, dass ich als Bürgermeister Abschiedsworte für ihn spreche, hätten uns alle für verrückt erklärt.“ Landrat Stephan Loge (SPD) kann „noch gar nicht glauben, dass der Abschied schon ran ist. Ulrich Haase scheidet zwar aus dem Berufsleben jedoch nicht aus dem gesellschaftlichen Leben in Lübben aus.“ Der Verwaltungschef würdigt den Schulleiter als „vertrauensvoll und ausgleichend. Er musste allen und allem gerecht werden, hat dabei vieles richtig gemacht. Und dass jemand sein ganzes Arbeitsleben lang im gleichen Schulgebäude tätig war, dürfte es nicht so oft geben.“

Loge erinnerte daran, dass Ulrich Haase 1980 als Lehrer für Mathematik und Physik in der „Hans Beimler“ Oberschule seine berufliche Laufbahn begonnen, später in der Erweiterten Oberschule (EOS) unterrichtet und 1993 schließlich die Leitung des heutigen Paul-Gerhardt-Gymnasiums übernommen hatte. Verschiedene Schulformen und Namen, aber immer die gleiche Wirkungsstätte. „Nach fast 40 Jahren Schuldienst hat Ulrich Haase sein Klassenziel jetzt erreicht“, sagt der Landrat. „Ich habe keine Bedenken, dass er in ein Loch fällt. Dafür ist er viel zu ehrgeizig und engagiert.“

Der Schulleiter ist auch Gründungsmitglied des Fördervereins des Gymnasiums. „Es ist ihm immer gelungen, den Schulalltag mit den Interessen des Vereins in Einklang zu bringen“, sagt der Geschäftsführer Helmut Haß, der ebenfalls von Beginn an seit 1991 dabei ist. „Nun heißt es für Ulrich Haase: Volle Kraft voraus – der Ruhestand ist in Sicht. Segel setzen – jetzt weht ein anderer Wind.“

Die Schülersprecherin Hanna Sklomeit hat den Schulleiter im Namen der Schülerinnen und Schüler verabschiedet. „Willkommen im Club der Ehemaligen. Schauen Sie mal wieder bei uns vorbei.“ Die Elftklässlerin leitete damit geschickt auf den kulturellen Teil der Verabschiedung über – die Aufführung des Stücks „Das Ehemaligentreffen“.

Hans-Werner Schmidt, Vorsitzender des Fördervereins, kündigte sogar „eine Weltpremiere“ an, wohl wissend, dass Schüler, Lehrer und Musikschullehrer ein anspruchsvolles Programm auf die Beine gestellt hatten. Ulrich Haase, aber auch der eine oder andere Gast, dürfte Parallelen zu sich selbst erkannt haben.

Die Aufführung kam so gut an, dass eine Zugabe nötig war. Gymnasium und die Kreismusikschule Dahme-Spreewald kooperieren schon seit Jahren. „Es war eine tolle Zusammenarbeit mit Ulrich Haase“, sagt die Musikschullehrerin Sylvia Hoffmann. „Die Chemie zwischen uns stimmt.“

Durch die vielen bewegenden Worte wurde es dem Schulleiter „doch ein wenig eng ums Herz. Ich werde die Lehrer, Schüler und die Schule vermissen. Doch Abschiede sind auch Tore in neue Welten.“ Und wie die aussehen könnten, kündigte er schon mal mit seinem typischen Humor an: „Liebe Familie und Freunde. Ab dem 1. Februar dieses Jahrs habt ihr mich täglich an der Backe.“

 

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