Jessern. Soziale Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen stärken – unter diesem Motto hat ein Gemeinschaftsprojekt der Kreismusikschule Dahme-Spreewald und des Lübbener Paul-Gerhardt-Gymnasiums in Jessern gestanden. Fünf Tage lang beschäftigten sich 30 Kinder und Jugendliche in Workshops mit verschiedenen Themen. Sie reichten von Drogen über Gewalt bis hin zum Umgang mit Verhaltensstörungen, ergänzt durch Musik, Tanz und Sport.

Volle Konzentration herrscht am letzten Übungsnachmittag im Gruppenraum der Herberge »Alte Schule« in Jessern. »Diese Stille da draußen«, sagt ein Mädchen. Greifbar ist diese Stille plötzlich auch im Gruppenraum. Mit dem Manuskript in der Hand sprechen die Mädchen und Jungen ihre Texte, nehmen ihre Positionen ein. Sie üben eine Szene aus »Praire Saloon«, einem neuen Musical. Diese ersten Proben bilden den Abschluss des Workshop-Projektes. Das Musical soll mit Beginn des neuen Schuljahres als nächstes Kooperationsprojekt von Kreismusikschule und Lübbener Gymnasium einstudiert werden. Angeleitet werden die Kinder und Jugendlichen dabei vom bewährten Pädagogen-Team Katrin Birke, Carina Cal, Sylvia Hoffmann und Bärbel Wasternack. »Auch für die Vorbereitung auf das Musical ,Linie 1' haben wir ein Projektlager durchgeführt«, erklärt Sylvia Hoffmann. Die Auseinandersetzung mit dem zeitkritischen Stück habe dazu angeregt, diesmal ein Projekt durchzuführen, das vorrangig sozialpädagogische Ziele verfolgt. Drogen seien ein zentrales Thema, aber auch soziale Ausgrenzung und Benachteiligung von Schülern sowie problematische Lebenssituationen wie Essstörungen seien in den Workshops thematisiert worden. »Hier knüpften wir an unser erstes Musical ,Mahlzeit' an«, ergänzt Katrin Birke. Und Carina Cal, die im Asklepios-Fachklinikum als Heilpädagogin arbeitet, ergänzt: »Es ist sehr offen diskutiert worden.« Die Teilnehmer hätten viele Fragen gehabt, zum Beispiel: Was soll ich tun, wenn ich sehe, wie eine Freundin sich selbst verletzt? Wie soll ich reagieren, wenn ich merke, dass jemand Drogen nimmt? Wie verhalte ich mich bei Mobbing? »Wenn sich jemand komisch verhält, sollte man versuchen, mit ihm zu reden. Auch Hilfe von außen kann ich holen«, fasst die zwölfjährige Sophie Ogrzewalla zusammen. Jasser Eleter, der in der 5. Klasse der 1. Grundschule in Lübben lernt, hat im Workshop erfahren, welchen Body-Maß-Index er hat. Anna-Lisa Jeschke kennt jetzt einige Tricks der Selbstverteidigung. »Der Drogen-Workshop der Polizei habe viel Hintergrundwissen vermittelt und gezeigt, »dass man den Umgang damit lernen muss, damit man nicht in Sucht und Abhängigkeit kommt«, resümiert die 15-jährige Gymnasiastin. Das Thema sei auch schon in der Schule besprochen worden. Doch in dem Workshop sei die Atmosphäre offener gewesen.


Quelle: Lausitzer Rundschau vom 12.06.2010